Uwe Reinwardt Fotografie & Journalismus
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Leseproben...
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Gottfried Reimer
Hartmut Jentzsch
Tanzen unheimlich
Erde ist Medizin
Netter Bogen

"Die Ärzte sind das Grundübel"

 

Montag morgen in Ziegra. Es ist ein unangenehmer grauer Herbsttag, das Thermometer zeigt zwei Grad plus. Wir wollen Hartmut Jentzsch besuchen, finden seine Frau Sylvelin in der Küche, während der Mann auf die Beine kommt.

Wir werden mit Handschlag begrüßt, freundliche Gesten wechseln den Besitzer. Hartmut Jentzsch springt mit kurzer Turnhose, Oberkörper frei und barfuss in die kalte Novemberluft. Macht er öfters, meint die Frau. Einmal um die Kirche, um das Dorf. So ein Anblick ist reichlich ungewohnt, für die Einwohner von Ziegra mittlerweile kein Grund zur Sorge.

Seit Jahren rennt Hartmut Jentzsch auch bei Frost und Schneefall durchs Dorf, um munter zu werden. Er betont, dass es besonders angenehm sei, wenn die Schneeflocken auf die Haut fallen. Auch heute wieder läuft er im Dauerlauf ums Dorf, um die Kirche. Auf dem Grundstück an der Gebersbacher Straße liegt ein Rest Schnee, die Morgenwäsche kann beginnen. Dann, im Bad, werden die Fusssohlen mit einer Bürste massiert, dann der ganze Körper.

Hartmut Jentzsch geht auf die 65 Jahre zu, doch so recht kann man dies nicht glauben. Denn sein Körper hat so gar nichts von einem 65Jährigen. Beinahe jugendlich wirkt sein Körper, zuweilen etwas asketisch. Später sitzen wir gemeinsam in der Küche. Auf dem Tisch steht ein Glas mit eingeweichter grüner Tonerde. Probier mal! und ein, zwei Teelöffel des graugrünen Breis wandern über die Zunge. Ja tatsächlich, hat etwas Cremiges.

Erde ist wichtig, meint Hartmut, und betont, dass man möglichst eine Stunde vor dem Essen Erde einnehmen sollte. Mit einnehmen ist essen gemeint, denn das Jargon des Apothekers mag er überhaupt nicht. Angefangen hat alles vor acht Jahren.

Als Hartmut damals früh am Morgen auf die Beine kommen wollte, gelang dies nicht. Der Mundwinkel verzogen, der rechte Arm war nicht zu bewegen. Frau Sylvelin wußte sofort, was die Stunde geschlagen hatte: ein Schlaganfall. Tage zuvor wurde richtig und fettig gefeiert, Süßspeisen, Fleisch. Eigentlich die Regel, auch die vielen Jahre zuvor. Der Arzt kam, eine Spritze wurde gesetzt.

Dann begann eine Schmerzensgeschichte, die mit der Rehabilitation ihren Anfang nahm. In Kreischa wurde alles schlimmer, beinahe abgeklungene Symptome wurden wieder vakant, Essgewohnheiten mussten überdacht werden. Einen Schlaganfall zu erleiden, bedeutet heute fast immer ein Leben mit Tabletten. Die Beiden Jentzsches erkundigten sich in Büchern, Maria Treben, Helmut Wandmaker und viele andere Autoren.

Doch erst mit Franz Konz und seiner Urkost wurden die Tabletten überflüssig. Wir brachten die ganzen Tabletten eines Tages zurück in die Apotheke, ganz zum Erstaunen des Apothekers hinter der Theke, sagt Hartmut und erzählt, wie sehr der Konz sein Leben verändert hat. Erde zu essen sei kein Übel, sondern viel mehr eine Notwendigkeit, die vielen Giftstoffe aus dem Körper zu schaffen.

Dann der Gang auf die Wiese, um frisches Grün zu ernten: Kräuter und überhaupt viele der meist essbaren Wildpflanzen kenne er bereits. Das frische Grün ist ein wahrer Segen für die Menschen. Doch die meisten Menschen ziehen es vor, weiter Fleich, Fisch, Mehl, Alkohol und viele andere erhitzte Nahrungsmittel zu essen und zu trinken.

Mit der Folge, wie sie Hartmut selber erleiden musste. Wir unterhalten uns angeregt, währenddessen das Telefon klingelt. Eine ältere Dame aus Oschatz meldet sich, fragt, wie Heilerde einzunehmen ist. Sylvelin beantwortet die Fragen, Hartmut, im Hintergrund, gibt mit dunkler Stimme Kommentare dazu.

Hartmut ist heute völlig gesund, nimmt keinerlei Tabletten ein und kann nur noch über die Ärzte spotten. Er sagt, dass Ärzte eigentlich das Grundübel seien und natürlich die Ernährungsindustrie, die uns mittlerweile systematisch vergiftet. Hartmut Jentzsch ist längst im Umland bekannt, es hat sich rumgesprochen, dass er nicht auf Tabletten setzt, sondern auf das Grün von der Wiese.

Manchmal aber hat er den Eindruck, als sei dies alles sinnlos, wenn er mit Leuten spricht, die zu ihm kommen und Hilfe erwarten. Die guten Ratschläge gehen ja doch verloren und die Menschen essen weiter Zucker, Weißmehl und erhitztes Zeug. So gesehen ist den Menschen nicht mehr zu helfen. Keine Verzweiflung in den scharfen Gesichtszügen Hartmuts, eher mehr Spott.

Wir kommen wieder auf "den Konz" zu sprechen und auf die Kritik, die Konz einstecken muss, weil seine UrTherapie so gar nicht ins Bild der Menschen und vor allem der Industrie passt. Konsequenz zahlt sich aus, und ein leises inneres Schmunzeln breitet sich aus, da im Worte Konsequenz der Konz steckt.

Aber wenn die Leute weiterhin solches Zeug essen, werden sie weiter zu mir kommen, sagt Hartmut. Heute liegt noch viel an, der Vormittag nimmt seinen Lauf. In Döbeln gibt es etwas zu erledigen, Hartmut macht sich auf die Socken, zu Fuss natürlich...

Uwe Reinwardt

hartmut

Hartmut Jentzsch bei seinem morgentlichen Lauf durch Ziegra. Für die Anwohner mittlerweile ein gewohntes Bild...

 

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